Die Werte und Prinzipien des Human Home

,,Das Human Home ist ein sicherer Raum, in dem du Wege lernst, dir selbst achtsam und wertschätzend zu begegnen, um an deinen seelischen Herausforderungen (wie Ängsten, Stress, Krisen) zu wachsen und dein Leben mehr genießen zu können.“ 

Im Human Home geht es nicht darum, unsere Themen aufzulösen, zu transformieren, zu heilen. Es geht nicht darum, dass wir vollständiger werden. Im HH werden wir als Mensch gesehen, der schon ganz, vollständig, heil (wörtlich bedeutet ,,heil“: ,,ganz“) ist – egal welche Einschränkungen jeder mitbringt. Es geht nicht darum, etwas loszuwerden. In der Essenz geht es darum, dem was gerade da ist (im Innen und im Außen) Raum zu geben. Alles, was sich zeigt, ist Teil unserer Ganzheit und nicht ein Zeichen, dass etwas nicht mit uns stimmt oder, dass etwas fehlt. Unsere Wut, unsere Freude, unsere Verzweiflung, unsere Angst, unsere Hilflosigkeit sind alle Aspekte unseres Menschseins und haben einen Grund, dass sie da sind. 

Im HH verbeugen wir uns voreinander und vor der Intelligenz des Lebens (metaphorisch gesehen). Wir werden uns bewusst, dass wir nichts wissen. Wir begegnen dem, was in uns und in anderen auftaucht, mit Demut und Wertschätzung, selbst wenn der Kopf nach Erklärungen, Interpretationen sucht oder gar verurteilend reagiert. Die Grundeinstellung hinter dem Punkt ,,Demut“ ist: Alles, was da ist, hat einen (höheren) Sinn, auch wenn ich diesen heute noch nicht kenne oder nie erfahren werde. 

Um dem, was in uns da ist, begegnen zu können, brauchen wir manchmal Mut. Damit wir versteckte, unbewusste, unterdrückte Aspekte von uns kennenlernen können, müssen wir unsere Komfortzone in kleinen, achtsamen Schritten erweitern. Aber wir brauchen uns keinen Druck zu machen: Wenn uns der Mut fehlt, wenn wir uns lieber verstecken wollen, dann ist das genauso ok. Denn dann ist der fehlende Mut bzw. die Angst viel wichtiger – unser innerer Beschützer ist schließlich nicht ohne Grund da. Wenn wir uns ausreichend geerdet und beschützt fühlen, sind wir eingeladen, unsere Komfortzone ein kleines bisschen zu verlassen – doch wir bleiben achtsam und einfühlsam mit uns selbst, wenn der Zeitpunkt, mutig zu sein, gerade noch nicht da ist. 

Im HH dürfen wir dem, was wirklich in uns präsent ist, begegen. Masken, Rollen, Konditionierungen erhalten einen Raum, in dem sie erkannt werden können, in dem sie erforscht werden können, in dem ihre Schutzfunktion wertgeschätzt werden darf. Ein Raum, in dem sie – sobald die Zeit gekommen ist – gehen dürfen und unserer inneren Wahrheit Platz machen dürfen: Der darunterliegenden Trauer, Wut, Hilflosigkeit, Freude, Angst, die endlich gesehen und gehalten werden kann. 

Im HH werden wir uns selbst, unseren Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen, unseren Verhaltensmustern, unseren Vermeidungsstrategien bewusster. In dem Moment, in dem wir uns über Aspekte von uns selbst bewusst werden, disidentifizieren wir uns von diesen Aspekten. Wir sind nicht mehr verloren und gefangen darin, sondern wir sind in der Lage, diese Aspekte zu beobachten. Wir erhalten (Wahl-)Freiheit und Erleichterung von der Last der Identifikation. Wir werden uns selbst bewusst, wir erhalten Selbst-Bewusstsein. Neben unserer Innenwelt lernen wir auch, das was um uns herum geschieht, bewusster wahrzunehmen. Die Welt um uns herum wird intensiver, bunter, lebensfroher, wenn wir nicht im Kopf gefangen sind, sondern direkt erleben, was gerade passiert. Wir lernen das Leben – unabhängig von unserer Lebenssituation zu genießen.

Im HH gehen wir achtsam und einfühlsam miteinander um. Außerdem lädt das HH dazu ein, sich selbst achtsam zu begegnen, sich selbst nicht zu überfordern. Wir lernen mehr auf unsere Bedürfnisse und Grenzen zu achten. Wir lernen, einfühlsam mit uns selbst umzugehen. Dies ist ohnehin die Voraussetzung dafür, mit anderen achtsam umgehen zu können. Außerdem üben wir, achtsam mit dem Leben umzugehen. Achtsamkeit heißt auch dem, was gerade passiert mit Präsenz zu begegnen.

Im HH herrscht eine Atmosphäre der Sicherheit und Geborgenheit. Hier kann sich jeder fallen lassen und wissen, dass er vom Raum, vom Raumgeber und von der Gruppe gehalten wird – so wie er ist. Jede Emotion, jeder Persönlichkeitsaspekt ist willkommen. Gleichzeitig achtet der Raumgeber auch auf die physische Sicherheit aller und auf eine Atmosphäre der Vertraulichkeit. Wir behandeln die Namen und die Themen der anderen Gruppenmitglieder vertraulich. Somit können wir darauf vertrauen, dass das, was sich bei uns zeigt, unter uns bleibt.

Im HH wird Gemeinschaft und Zusammenhalt groß geschrieben. Das heißt natürlich auch, dass jeder sich in seine Innenwelt zurückziehen darf, wenn er sich danach fühlt. (Auf einer tieferen Ebene sind wir ohnehin immer miteinander verbunden, auch wenn es sich oft nicht so anfühlt.) In dieser gemeinschaftlichen Atmosphäre dürfen wir uns daran erinnern, dass wir alle Menschen sind und alle die gleichen Gefühle teilen – wenn auch zu verschiedenen Zeitpunkten und Intensitäten. Das HH ist ein Ort der Authentizität in einer Gesellschaft, in der wir uns oft gegenseitig nur unsere Masken zeigen aus Angst vor Ablehnung. Im HH sind wir eingeladen, achtsam Schritt für Schritt unsere Masken abzulegen, da wir uns grundsätzlich mit Wertschätzung begegnen, egal was bei anderen gerade da ist.

Die Atmosphäre der Geborgenheit, Achtsamkeit und Wertschätzung im HH entspannt unsere oftmals müden Körper und Seelen und schafft damit den Raum zur natürlichen Entfaltung unseres vollen menschlichen Potentials. Im HH gibt es kein Ziel, keine Erwartung, nur Raum. Raum für das, was vielleicht schon lange in uns darauf wartet gesehen, gehört, gefühlt zu werden. Raum für die Ent-Wicklung von den Persönlichkeitsaspekten, die einst aus Schutz vor Schmerz verdeckt wurden mit den Leinen unseres intelligenten inneren Abwehrsystems. Das HH ist ein Raum für die Entfaltung unseres authentischen Selbst.